Social Justice meint Anerkennungs- und Verteilungsgerechtigkeit und tritt dafür ein, dass alle Menschen den gleichen Zugang zu allen gesellschaftlichen Ressourcen haben: Zugang also zu materiellen, kulturellen, sozialen, institutionellen, politischen Bereichen usw. Und das ungeachtet ihrer "Nützlichkeit" in dieser Gesellschaft; das ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihres Alters, ihrer sozialen und kulturellen Herkunft, ihres Geschlechtes, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer körperlichen oder geistigen Verfasstheit usw.
Gerechtigkeit im Sinne von Social Justice meint: "(...) das Vorhandensein von institutionellen Voraussetzungen, die es allen ermöglichen, befriedigende Fähigkeiten in sozial anerkannten Umfeldern zu erlernen und auszuüben, an Entscheidungsprozessen beteiligt zu sein und ihre Gefühle, Erfahrungen und Perspektiven, die sie auf das gesellschaftliche Leben und mit ihm haben, in Kontexten artikulieren zu können, wo andere ihnen zuhören können." (Young 1996: 91, Übers. Heike Weinbach)
Verteilungsgerechtigkeit bedeutet, dass die Mittel einer Gesellschaft so aufgeteilt werden, dass alle Menschen daran Teil haben können, so, damit sie körperlich und seelisch in Sicherheit und Wohlbefinden leben können.
Anerkennungsgerechtigkeit meint, dass alle Menschen an allen gesellschaftlichen Bereichen teilnehmen können, so dass niemand strukturell, kulturell und individuell diskriminiert wird.
Social Justice setzt bei der Analyse von Macht und Herrschaft an: Macht (über die Individuen verfügen) und Herrschaft (als institutionalisierte Macht auf der Grundlage von Gesetzen und politischen Systemen, Ordnungen u.ä.) sind voneinander abhängig, sie greifen ineinander, sind nicht einfach veränderbar, obgleich sie das Potential dafür enthalten, und immer wieder neu infrage gestellt und hergestellt werden müssen.
Diversity meint Vielfalt, Verschiedenheit und Unterschiedlichkeit von Menschen in ihrer Pluralität. Kategorien von Verschiedenheit sind: Geschlecht/Gender, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Alter, kulturelle Herkunft, "Behinderung", Klasse und vieles mehr. Sie gelten als gesellschaftliche Regulativa, aufgrund derer Menschen in positiver oder negativer Weise bestimmt werden, an gesellschaftlichen (ökonomischen, sozialen, kulturellen, institutionellen etc.) Ressourcen teilnehmen können oder ausgegrenzt sind.
Intersektionalität bezieht sich auf das breite Feld der Überschneidungen von Diskriminierungs- und Gewaltformen in Bezug auf alle Diversitykategorien.
Die Idee, die mit dem Konzept verbunden ist, liegt auch darin, zu erkennen, dass Diskriminierungsstrukturen nicht immer eindeutig zu bestimmen sind, dass sie ineinander übergehen. Im Konzept des Social Justice wird die Triade race, class und gender hin zu anderen Diskriminierungsformen und Diversitykategorien erweitert.
Das Projekt und die Theorie Social Justice tritt ein für die Idee des Verbündetseins, der politischen Freundschaft, wo uns die Anliegen der Anderen die eigenen Anliegen sind.
Das Social Justice Training ist ein Bildungskonzept und ein Trainingskonzept mit einer speziellen Methode. Es kann mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt werden. Die Trainer_innen
Der Trainingsansatz "Diversity and Social Justice Education" wurde in den USA von Maurianne Adams, Lee Anne Bell und Pat Griffin (1997; 2007) entwickelt.
Angeregt durch diesen Ansatz konzipierten Leah Carola Czollek und Heike Weinbach ein eigenes Social Justice Training speziell für den deutschsprachigen Raum, das sie seit 2001 durchführen.
Seit 2006 bieten sie in Kooperation mit IDA e. V. und dem DGB-Bildungswerk, Bereich Jugendbildung, Trainer_innenausbildungen an.
Im Social Justice Training geht es um:
Im Social Justice Training werden ausgewählte Themenschwerpunkte (Module der Diskriminierungsformen) vermittelt:
Für das Social Justice Training wurde die Mahloquet als dialogische Methode übernommen, die von Leah Carola Czollek und Gudrun Perko (2006) als Konfliktlösungsverfahren - Mahloquet als integrative Methode des Dialoges - entwickelt wurde. Sie beinhaltet, u.a.:
Die Zielsetzung des Social Justice Trainings liegt darin, Diskriminierung zu verstehen, Stereotypen zu reflektieren, eigene Verwobenheiten zu begreifen und zu reflektieren.
Dabei werden Menschen als gesellschaftliche Akteur_innen aufgefasst, die für ihr eigenes Handeln als Individuum oder in einer Gruppe, sich selbst und der Gesellschaft gegenüber Verantwortung übernehmen.
Im Social Justice Training ist es wichtig, Handlungsspielräume gegen Diskriminierungen aufzuzeigen und zu entwickeln.
Adams, Maurianne/Bell, Lee Anne/Griffin, Pat (Hg.): Teaching for diversity and social justice. A sourcebook. New York und London 1997 (zweite Auflage 2007)
Czollek, Leah Carola/Perko, Gudrun: Mahloquet als integrative Methode des Dialoges: ein Mediationsverfahren in sieben Stationen. In: Perspektive Mediation. Beiträge zur KonfliktKultur 4/2006. Wien 2006
Czollek, Leah Carola/Weinbach, Heike: Lernen in der Begegnung: Theorie und Praxis von Social Justice-Trainings. Hg. IDA e.V. Bonn 2008
Czollek, Leah Carola/Perko, Gudrun/Weinbach, Heike: Radical Diversity im Zeichen von Social Justice: Philosophische Grundlagen und praktische Umsetzung von Diversity in Institutionen. In: Hg. Maria do Mar Castro Varela (Hg.) Soziale (Un)Gerechtigkeit. Kritische Perspektiven auf Diversity, Intersektionalität und Antidiskriminierung. Weinheim 2009
Czollek, Leah Carola / Perko, Gudrun / Weinbach, Heike: Lehrbuch Gender und Queer. Grundlagen, Methoden und Praxisfelder. Weinheim 2009
Kemper, Andreas / Weinbach, Heike: Klassismus. Eine Einführung. Unrast. Münster 2009
Perko, Gudrun: Queer-Theorien. Über ethische, politische und logische Dimensionen des plural-queeren Denkens, Köln 2005
Weinbach, Heike: Social Justice statt Kultur der Kälte. Alternativen zur Diskriminierungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin 2006
Young, Iris Marion: Fünf Formen der Unterdrückung. In: Herta Nagl-Docekal, Herlinde Pauer-Studer (Hg.), Politische Theorie, Differenz und Lebensqualität. Frankfurt/Main 1996