Ich bin so alt wie die Welt
In mir sind der Schmerz und die Trauer
Der Hass und sein Feuer und sein Leid
Die Liebe und die Freundschaft
Ihr Weinen und ihr Mitgefühl.
In mir sind Verzweiflung und Hoffnung
Ihre Tränen und ihr Lächeln.
Angst schnürt mir mitunter die Kehle zu
Und erstickt alles Leben in mir.
In mir ist die Sehnsucht nach Freiheit
Doch nur in seltenen Stunden
Augenblicken nur
Gelingt sie.
Und dafür muss ich lange schweigen.
Der Puls der Welt pocht in mir
Ein Echo von weit her und weit über mich hinaus.
Unbehaust bin ich und an jedem Ort.
(Leah Carola Czollek)






Auf einen Blick:
das diskriminierungskritische Bildungs- & Trainingskonzept Social Justice & Diversity



Was bedeutet Social Justice und Diversity?



Social Justice bedeutet ein spezifisches Gerechtigkeitsdenken, das gleichzeitig Verteilungs-, Anerkennungs-, Befähigungs- und Verwirklichungsgerechtigkeit in den Blick nimmt. Wir verwenden den Begriff Social Justice auf Englisch, um damit ein erweitertes Verständnis von Sozialer Gerechtigkeit anzuzeigen, als es in der Tradition des deutschsprachigen Begriffs vorhanden ist.


Verteilungsgerechtigkeit und Anerkennungsgerechtigkeit


Verteilungsgerechtigkeit bedeutet, dass alle Menschen in Bezug auf das physische und psychische Leben in Sicherheit und Wohlbefinden leben können. Dabei geht es um die Verteilung von Geld und Gütern, aber auch anderer Ressourcen wie z. B. Zeit und Aufmerksamkeit.

Anerkennungsgerechtigkeit bedeutet, dass alle Menschen an gesellschaftlichen Belangen teilhaben und partizipieren können. Der Übergang zwischen Teilhabe und Partizipation ist graduell und verweist darauf, dass Menschen an etwas teilhaben können, was bereits gestaltet ist und/oder partizipieren können, indem sie Gesellschaft selbst aktiv mitgestalten und mitbestimmen. Wesentlich ist dabei der Aspekt der Freiwilligkeit: Es geht um die Möglichkeit der Teilhabe und Partizipation, nicht um den Zwang dazu.

Bei diesen Aspekten rekurrieren wir auf die Arbeiten von Iris Marion Young.



Befähigungs- und Verwirklichungsgerechtigkeit


Befähigungsgerechtigkeit bedeutet, dass Institutionen bzw. die Gesellschaft Menschen etwas zur Verfügung stellen und sie auch dazu befähigen, das zur Verfügung Gestellte anwenden zu können, ohne sie dazu zu zwingen.

Verwirklichungsgerechtigkeit bedeutet, dass Menschen einen Anspruch auf die Verwirklichung ihrer Befähigungen (Capabilities) haben, wie z. B. körperliche Integrität (Bewegungsfreiheit, Sicherheit vor Gewalt) oder politische Partizipation.

Bei diesen Aspekten rekurrieren wir auf die Arbeiten von Martha C. Nussbaum.



Was bedeutet Diversity?


Diversity meint radikale Verschiedenheit und Vielfalt von Menschen in ihrer Pluralität. Kategorien von Verschiedenheit sind: Alter, Beeinträchtigung, Aussehen, Sprache, soziale Herkunft, Geschlecht/Gender/Queer, sexuelles Begehren, Religion oder Säkularität/Konfessionsfreiheit und vieles mehr. Sie gelten als gesellschaftliche Regulativa, aufgrund derer Menschen in positiver oder negativer Weise bestimmt werden, an gesellschaftlichen (ökonomischen, sozialen, kulturellen, institutionellen etc.) Ressourcen teilnehmen können oder ausgegrenzt sind und aufgrund derer Menschen diskriminiert werden oder Privilegien haben.

Macht- und Herrschaftsanalyse


Das Konzept Social Justice und Diversity setzt bei der kritischen Analyse und Infragestellung von Macht und Herrschaft an: Macht (über die Individuen verfügen) und Herrschaft (als institutionalisierte Macht auf der Grundlage von Gesetzen und politischen Systemen, Ordnungen u.ä.) sind voneinander abhängig, sie greifen ineinander, sind nicht einfach veränderbar, obgleich sie das – Potential dafür enthalten, und immer wieder neu infrage gestellt und hergestellt werden müssen.


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Was ist das Social Justice und Diversity Training?


Das Social Justice und Diversity Training ist ein diskriminierungskritisches Bildungs- und Trainingskonzept zugunsten von Inklusion und Partizipation. Mit der dem Training zugrundeliegenden Methode Mahloquet und mit speziellen Einzelmethoden setzt es sich mit verschiedenen Diskriminierungsformen auf der individuellen, strukturelle und kulturellen Ebene sowie mit ihrer systemischen Intersektionalität auseinander und zielt ab auf Handlungsoptionen gegen jede Art von Diskriminierung.

Es kann mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt werden.
Die Trainer_innen


Im Zentrum des Konzeptes steht strukturelle Diskriminierung.



Was sind die Besonderheiten des Social Justice und Diversity Trainings?



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Geschichte und Konzeption des Trainings


Das Konzept Social Justice und Diversity wurde im Jahr 2001 von Leah Carola Czollek, Gudrun Perko und Heike Weinbach entwickelt und in den darauffolgenden Jahren im Rahmen zahlreicher Trainings im Jugend- und Erwachsenenbereich erprobt. Während der Ansatz sich zu Beginn noch stark an das in den USA entwickelte Konzept Teaching for Diversity and Social Justice (vgl. Adams/Bell/Griffin 1997) anlehnte, wurden im Zuge der langjährigen und intensiven Beschäftigung mit der Thematik viele Veränderungen, Ausdifferenzierungen und vor allem Aktualisierungen im Kontext der Bundesrepublik Deutschland vorgenommen. Die zunehmende Eigenständigkeit des Konzeptes wurde von der Gründung des Institutes Social Justice und Diversity im Jahr 2005 sowie dem Erscheinen des Praxishandbuchs Social Justice und Diversity (2012) markiert. Während dieses Zeitraums konzipierten die Autorinnen zugleich eine Trainer_innen-Ausbildung für Social Justice und Diversity, die zwischen 2006 und 2012 in Kooperation mit dem Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA e. V.) und der bundesweiten Weiterbildungsorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB Bildungswerk BUND) angeboten wurde. Seit 2012 wird der zertifizierte Weiterbildungskurs Social Justice und Diversity an der Zentralen Einrichtung Weiterbildung der Fachhochschule Potsdam in Kooperation mit dem Institut Social Justice und Diversity jährlich bis halbjährlich durchgeführt. Nachdem Heike Weinbach das Institut aus beruflichen Gründen vor einigen Jahren verlassen musste, kamen 2011 Max Czollek und 2013 Corinne Kaszner als Ausbildner_innen dazu. Im Zuge der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Konzeptes erscheint 2019 das vollständig überarbeitete Praxishandbuch zu unserem Trainingskonzept. Zudem erfolgte eine Umbenennung des Instituts in Institut Social Justice und Radical Diversity (siehe: www.social-justice.eu).


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Worum geht es im Social Justice und Diversity Training?


Das diskriminierungskritische Bildungs- und Trainingskonzept Social Justice und Diversity hat sich als neues Antidiskriminierungs-, Inklusions- und Partizipationskonzept in der Bundesrepublik etabliert.

In der Ausbildung geht es um u.a.:


Hier qualifizieren Sie sich u.a. für:


In jedem Themenschwerpunkt (Diskriminierungsformen) verdeutlichen historische Inputs die tiefe gesellschaftliche Verankerung der jeweiligen Diskriminierungsform. Sie zeigen die Produktion von Stereotypen im historischen Kontext, ihre Veränderungen, Reproduktionen und Verfestigungen.


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Welche Diskriminierungsformen werden vertieft?


Im Social Justice und Diversity Training werden ausgewählte Themenschwerpunkte (Module der Diskriminierungsformen) vermittelt:



Dabei werden eigens entwickelte Übungen durchgeführt und theoretische sowie historische Inputs gegeben.


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Was ist die Intention des Trainings?


Die Intention des Social Justice und Diversity Trainings liegt darin, Diskriminierung zu verstehen, Stereotypen zu reflektieren, eigene Verwobenheiten zu begreifen und zu reflektieren.

Dabei werden Menschen als gesellschaftliche Akteur_innen aufgefasst, die für ihr eigenes Handeln als Individuum oder in einer Gruppe, sich selbst und der Gesellschaft gegenüber Verantwortung übernehmen.

Im Social Justice Training ist es wichtig, Handlungsspielräume gegen Diskriminierungen auszuloten und zu entwickeln.


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Wo können Sie sich vertiefen?


Leah Carola Czollek/Gudrun Perko/Corinne Kaszner/Max Czollek (2019), Praxishandbuch Social Justice und Diversity: Theorien – Training – Methoden vollständig überarbeitete und erweiterte 2. Auflage), Beltz/Juventa, Weinheim/Basel.

Leah Carola Czollek/Gudrun Perko/Heike Weinbach (2012), Praxishandbuch Social Justice und Diversity: Theorien, Training, Methoden, Übungen, Beltz/Juventa, Weinheim/Basel.