Social Justice


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Ich bin so alt wie die Welt
In mir sind der Schmerz und die Trauer
Der Hass und sein Feuer und sein Leid
Die Liebe und die Freundschaft
Ihr Weinen und ihr Mitgefühl.
In mir sind Verzweiflung und Hoffnung
Ihre Tränen und ihr Lächeln.
Angst schnürt mir mitunter die Kehle zu
Und erstickt alles Leben in mir.
In mir ist die Sehnsucht nach Freiheit
Doch nur in seltenen Stunden
Augenblicken nur
Gelingt sie.
Und dafür muss ich lange schweigen.
Der Puls der Welt pocht in mir
Ein Echo von weit her und weit über mich hinaus.
Unbehaust bin ich und an jedem Ort.
(Leah Carola Czollek)





Social Justice


Social Justice meint Anerkennungs- und Verteilungsgerechtigkeit und tritt dafür ein, dass alle Menschen den gleichen Zugang zu allen gesellschaftlichen Ressourcen haben: Zugang also zu materiellen, kulturellen, sozialen, institutionellen, politischen Bereichen usw. Und das ungeachtet ihrer "Nützlichkeit" in dieser Gesellschaft; das ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihres Alters, ihrer sozialen und kulturellen Herkunft, ihres Geschlechtes, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer körperlichen oder geistigen Verfasstheit usw.



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Gerechtigkeit als Social Justice


Gerechtigkeit im Sinne von Social Justice meint: "(...) das Vorhandensein von institutionellen Voraussetzungen, die es allen ermöglichen, befriedigende Fähigkeiten in sozial anerkannten Umfeldern zu erlernen und auszuüben, an Entscheidungsprozessen beteiligt zu sein und ihre Gefühle, Erfahrungen und Perspektiven, die sie auf das gesellschaftliche Leben und mit ihm haben, in Kontexten artikulieren zu können, wo andere ihnen zuhören können." (Young 1996: 91, Übers. Heike Weinbach)



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Verteilungsgerechtigkeit und Anerkennungsgerechtigkeit


Verteilungsgerechtigkeit bedeutet, dass die Mittel einer Gesellschaft so aufgeteilt werden, dass alle Menschen daran Teil haben können, so, damit sie körperlich und seelisch in Sicherheit und Wohlbefinden leben können.

Anerkennungsgerechtigkeit meint, dass alle Menschen an allen gesellschaftlichen Bereichen teilnehmen können, so dass niemand strukturell, kulturell und individuell diskriminiert wird. (Vgl. Adams u. a. 1997 n. Czollek/Perko/Weinbach 2012)



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Macht- und Herrschaftsanalyse


Social Justice setzt bei der Analyse von Macht und Herrschaft an: Macht (über die Individuen verfügen) und Herrschaft (als institutionalisierte Macht auf der Grundlage von Gesetzen und politischen Systemen, Ordnungen u.ä.) sind voneinander abhängig, sie greifen ineinander, sind nicht einfach veränderbar, obgleich sie das  Potential dafür enthalten, und immer wieder neu infrage gestellt und hergestellt werden müssen.



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Diversity (Vielfalt, Verschiedenheit)


Diversity meint Vielfalt, Verschiedenheit und Unterschiedlichkeit von Menschen in ihrer Pluralität. Kategorien von Verschiedenheit sind: Geschlecht/Gender, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Alter, kulturelle Herkunft, "Behinderung", Klasse und vieles mehr. Sie gelten als gesellschaftliche Regulativa, aufgrund derer Menschen in positiver oder negativer Weise bestimmt werden, an gesellschaftlichen (ökonomischen, sozialen, kulturellen, institutionellen etc.) Ressourcen teilnehmen können oder ausgegrenzt sind. (Vgl. Czollek/Perko/Weinbach 2009)



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Intersektionaler Ansatz


Intersektionalität bezieht sich auf das breite Feld der Überschneidungen von Diskriminierungs- und Gewaltformen in Bezug auf alle Diversitykategorien.

Die Idee, die mit dem Konzept verbunden ist, liegt auch darin, zu erkennen, dass Diskriminierungsstrukturen nicht immer eindeutig zu bestimmen sind, dass sie ineinander übergehen. Im Konzept des Social Justice wird die Triade race, class und gender hin zu anderen Diskriminierungsformen und Diversitykategorien erweitert. (Vgl. Perko/Czollek 2012)



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Das Konzept des Verbündetsein


Das Projekt und die Theorie Social Justice tritt ein für die Idee des Verbündetseins, der politischen Freundschaft, wo uns die Anliegen der Anderen die eigenen Anliegen sind.



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Was ist das Social Justice Training?


Das Social Justice Training ist ein Bildungskonzept und ein Trainingskonzept mit einer speziellen Methode. Es kann mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt werden. Die Trainer_innen


Das Social Justice Training setzt sich mit verschiedenen Diskriminierungsformen auf der individuellen, strukturelle und kulturellen Ebene auseinander und zielt ab auf Handlungsoptionen gegen jede Art von Diskriminierung.



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Geschichte und Konzeption des Trainings


Der Trainingsansatz „Diversity and Social Justice Education” wurde in den USA von Maurianne Adams, Lee Anne Bell und Pat Griffin (1997; 2007) entwickelt. Angeregt durch diesen Ansatz konzipierten Leah Carola Czollek, Gudrun Perko und Heike Weinbach ein eigenes Social Justice Training speziell für den deutschsprachigen Raum, das sie seit 2001 durchführen.

Seit 2006 bieten sie in Kooperation mit IDA e. V. und dem DGB-Bildungswerk, Bereich Jugendbildung, Trainer_innenausbildungen an. Seit 2012 finden zertifizierte Treiner_innenausbildungen an der Fachhochschule Potsdam statt.



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Worum geht es im Social Justice Training?


Im Social Justice Training geht es um:


In jedem Themenschwerpunkt (Diskriminierungsformen) verdeutlichen historische Inputs die tiefe gesellschaftliche Verankerung der jeweiligen Diskriminierungsform. Sie zeigen die Produktion von Stereotypen und Vorurteilen im historischen Kontext, ihre Veränderungen, Reproduktionen und Verfestigungen.



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Was meint Diskriminierung?


Im Social Justice geht es um strukturelle Diskriminierung. Diskriminierung wird als eigenständige Kategorie für die Analyse von Exklusion und gesellschaftliche Ausschlüsse ins Zentrum der Überlegungen gestellt. Dabei wird das Ineinandergreifen von Diskriminierung auf individueller, institutioneller und kultureller Ebene als strukturelle Diskriminierung bezeichnet. (Vgl. Czollek/ Perko/ Weinbach 2012)



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Welche Diskriminierungsformen werden vertieft?


Im Social Justice Training werden ausgewählte Themenschwerpunkte (Module der Diskriminierungsformen) vermittelt:


Dabei werden eigens entwickelte Übungen durchgeführt und theoretische sowie historische Inputs gegeben.



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Was ist die Methode des Social Justice Trainings?


Für das Social Justice Training wurde die Mahloquet als dialogische Methode übernommen, die von Leah Carola Czollek und Gudrun Perko (2006) als Konfliktlösungsverfahren - Mahloquet als integrative Methode des Dialoges - entwickelt wurde. Sie beinhaltet, u.a.:


Das gemeinsame Gespräch und dialogische Denken ermöglichen, mehrere Perspektiven im Sinne von Social Justice zu reflektieren.



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Was ist die Zielsetzung des Trainings?


Die Zielsetzung des Social Justice Trainings liegt darin, Diskriminierung zu verstehen, Stereotypen zu reflektieren, eigene Verwobenheiten zu begreifen und zu reflektieren.

Dabei werden Menschen als gesellschaftliche Akteur_innen aufgefasst, die für ihr eigenes Handeln als Individuum oder in einer Gruppe, sich selbst und der Gesellschaft gegenüber Verantwortung übernehmen.

Im Social Justice Training ist es wichtig, Handlungsspielräume gegen Diskriminierungen aufzuzeigen und zu entwickeln.



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Literaturhinweise


Adams, Maurianne/Bell, Lee Anne/Griffin, Pat (Hg.): Teaching for diversity and social justice. A sourcebook. New York und London 1997 (zweite Auflage 2007)

Czollek, Leah Carola/Perko (Hg.): Social Justice als soziales und politisches Projekt, Zeitschrift: Quer. denken lesen schreiben. Frauenrat und der Frauenbeauftragten der Alice-Salomon-Hochschule für Soziale Arbeit/ Sozialpädagogik und Pflege/ Pflegemanagement und Gleichstellungsbüro der Fachhochschule Potsdam. Nr. 18/12. Berlin 2012

Czollek, Leah Carola/Perko, Gudrun/Weinbach, Heike: Praxishandbuch Social Justice und Diversity. Theorien, Training, Methoden, Übungen. Beltz/Juventa. München/Weinheim 2012

Czollek, Leah Carola / Perko, Gudrun / Weinbach, Heike: Lehrbuch Gender und Queer. Grundlagen, Methoden und Praxisfelder. Weinheim 2009

Czollek, Leah Carola/Perko, Gudrun/Weinbach, Heike: Radical Diversity im Zeichen von Social Justice: Philosophische Grundlagen und praktische Umsetzung von Diversity in Institutionen. In: Hg. Maria do Mar Castro Varela (Hg.) Soziale (Un)Gerechtigkeit. Kritische Perspektiven auf Diversity, Intersektionalität und Antidiskriminierung. Weinheim 2009

Czollek, Leah Carola/Weinbach, Heike: Lernen in der Begegnung: Theorie und Praxis von Social Justice-Trainings. Hg. IDA e.V. Bonn 2008

Czollek, Leah Carola/Perko, Gudrun: Mahloquet als integrative Methode des Dialoges: ein Mediationsverfahren in sieben Stationen. In: Perspektive Mediation. Beiträge zur KonfliktKultur 4/2006. Wien 2006

Kemper, Andreas / Weinbach, Heike: Klassismus. Eine Einführung. Unrast. Münster 2009

Perko, Gudrun/ Leah Carola Czollek: Social Justice und Diversity Training: Intersektionalität als Diversitymodell und Strukturanalyse von Diskriminierung und Exklusion. 2012 Online unter: http://portal-intersektionalitaet.de/startseite/

Perko, Gudrun: Queer-Theorien. Über ethische, politische und logische Dimensionen des plural-queeren Denkens, Köln 2005

Weinbach, Heike: Social Justice statt Kultur der Kälte. Alternativen zur Diskriminierungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin 2006

Young, Iris Marion: Fünf Formen der Unterdrückung. In: Herta Nagl-Docekal, Herlinde Pauer-Studer (Hg.), Politische Theorie, Differenz und Lebensqualität. Frankfurt/Main 1996



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